Eine neue Bewegung hat die Städte ergriffen

29.11.2010 - Franziska Teuscher

Energiewende von unten

Eine neue Bewegung hat die Schweizer Städte ergriffen: der Atomausstieg. Basel funktioniert bereits ohne Atomstrom. Die Stadt Zürich ist auf dem Weg dazu. Und nun auch St. Gallen und Bern. Die Stromversorgung der Zukunft wird dezentral und erneuerbar sein.

 

 

In St. Gallen wurde am vergangenen Abstimmungssonntag zwar die Initiative "Stadt ohne Atomstrom" abgelehnt. Dafür wurde aber der Gegenvorschlag des Stadtparlaments für den Atomausstieg bis 2050 unter Wahrung der Versorgungssicherheit klar angenommen.

 

Gleichzeitig stimmte die St. Galler Bevölkerung mit überwältigenden 80 Prozent Ja-Stimmen dem Bau eines Erdwärme-Kraftwerks zu. Besser kann unsere Forderung "Grüner Strom – kein Atom" nicht erfüllt werden.


Auch in Bern ist die Initiative "EnergieWendeBern" leider knapp nicht angenommen worden. Mit 60 Prozent Ja-Stimmen wurde aber hier der Gegenvorschlag angenommen. Dieser befreit die Stadt ebenfalls vom Atomstrom, allerdings nicht wie die Initiative bereits im Jahr 2030, sondern erst neun Jahre später. Das knappe Resultat bei der Initiative – 49 Prozent Ja-Stimmen – legitimiert ausserdem einen rascheren Ausstieg.


Anachronistisch mutet einem da die Energiepolitik des Bundes, die immer noch auf AKW setzt. Die grossen Stromunternehmen fahren derweil eine nie dagewesene Kampagne für neue AKW hoch und erschweren den Marktzutritt für erneuerbare Energien. Schlimmer noch: Sie zementieren die Abhängigkeit von Grosskraftwerken sowie von schmutzigem und gefährlichem Atomstrom für ein weiteres halbes Jahrhundert und mehr.


Die Grünen setzen sich ein, damit weitere Städte den Schritt in die Energiezukunft des 21. Jahrhunderts machen. Helfen Sie mit!


Übrigens: Dadurch, dass Uran in der Natur immer seltener wird, braucht es immer mehr Energie, die gleiche Menge Uran abzubauen. Uran-Abbau erzeugt CO2-Emissionen. AKW werden je länger, mehr zu einem Klima-Problem fast wie Kohlekraftwerke. Ausserdem schaden der Uranabbau und die –anreicherung sowie die Entsorgung der Abfälle aus den AKW die Umwelt nicht nur wegen des CO2-Ausstosses, sondern auch wegen der zum Teil radioaktiven Gifte, die frei gesetzt werden.
 

1 Kommentar

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Kommentare

Ohne Atom auf dem Land

Weil's gerade so schön ist Stadt-St.Galler zu sein, schreibe ich halt doch wieder einmal.

Praktisch ist, dass die Stadt St. Gallen eine Zentrumsfunktion hat und sich die 159 Mio. Franken kostende Erdwärme dank des Finanzausgleichs durch Landgemeinden mitfinanzieren lassen darf.

Als Ausgleich dürfen die während einer kalten Olma durchgefrorenen Leute vom Land in den mit Erdwärme geheizten Hallen machen was sie wollen. So wird auch niemand vom Land neidisch auf uns Stadt-St. Galler sein.

So wird von diesen Leuten während dieser Zeit kein Atomstrom auf dem Land verbraucht; sie leisten so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

Sollte es auf dem Land finanziell trotzdem einmal knapp werden, darf jede Gemeinde beliebig, unabhängig und eigenverantwortlich das Existenzsichernde Grundeinkommen einführen.

Auch trotz des Erdwärmeprojektes ist so im St. Gallischen kein Konflikt zwischen Stadt und Land wahrscheinlich. Das wird auch so bleiben.

Zum Thema Stadt-/Land-Konflikt: http://www.ignoranz.ch/forum/4_4225_0.html
Kirchgraber Stefan | 29.11.2010
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