Helvetisierung von Familiennamen (Fortsetzung)

25.05.2009 - Ueli Leuenberger

Sieg der Walliser

Obradovic, Afonso, Monterrubio, Reset, Fermino Serey Die, Paito, Nwaneri, Alioul, Vanozak, El-Hadary heissen die Spieler des FC Sion, die letzten Mittwoch den Schweizer Cup-Final gegen YB gewonnen haben. Von elf Spielern sind zwei Doppelbürger und neun Ausländer. Zehntausende von ZuschauerInnen im Stade de Suisse und Hunderttausende zuhause vor dem Fernseher haben diesen Spielern zugejubelt. Riesenempfang im Wallis und Megaberichte in den Medien über die "Walliser".
Als Ägypter, Marokkaner, Serbe, Ungare, Nigerianer, Portugiese, Angolaner, Mosambikaner, Franzose und Schweizer mit Wurzeln im Kongo und Angola wurden sie bejubelt, ohne nach der Farbe ihres Passes oder der Herkunft ihres Namens oder ihrer Person zu fragen. Für die Walliser und ihre AnhängerInnen "on a gagné" – "wir haben gewonnen!" So tönte es lautstark in den Strassen Berns und im ganzen Kanton Wallis.
Andere junge Menschen mit ähnlich lautenden Namen suchen im Moment eine Lehrstelle oder einen Job. Viele leider ohne Erfolg. In der für ihre Zukunft wohl entscheidendsten Phase ihres Lebens bleiben sie ohne Ausbildung und ohne eine existenzsichernde Anstellung - wegen ihrer Herkunft. Es gibt ParlamentskollegInnen, die meinen, sie sollten ihre ausländische Namen "helvetisieren" oder "einschweizern", um der Diskriminierung entgegenzuwirken. Wie viele andere Personen, die den Problemen ein bisschen mehr auf den Grund gehen, sage ich: "geits eigentli no"? Da stimmt doch etwas nicht in unserer Gesellschaft! Sollte an Stelle der Änderung "ausländisch" klingender Namen nicht eher eine Änderung der Einstellung gegenüber den bei uns lebenden AusländerInnen gefordert werden?!

1 Kommentar

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Kommentare

In die Falle getappt

Lieber Ueli, mit deinem "geits eigentli no" tappst Du genau in die Falle. Ich finde den Vorstoss den gelungensten Beitrag zur Integration im laufenden Jahr. Er stellt viele bürgerlich denkende Menschen vor die Wahl a) zuzugeben, dass Menschen mit ausländischen Namen in der Schweiz benachteiligt sind oder b) dem Namensänderungsvorschlag zuzustimmen. Beides ist ihnen sicher unangenehm.

Als grüne/r Politiker/in würde ich mich erstmal nicht all zu sehr mit dem Vorschlag auseinandersetzen, der zuerst mal an die ausländerfeindliche Rechte gerichtet ist. Und wenn man sich damit abgeben will, dann ok, zugeben, dass die IG Secondas (SP) hier einen prima Vorstoss gemacht hat, der mehr bewirkt als all die gutgemeinten Forderungen nach Änderungen von Einstellungen.
Patric Schatzmann | 11.06.2009
Mitgliederzeitschrift Greenfo
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